Konflikte sind Teamwork
Wenn zwei sich streiten, bekommen es alle mit. Jeder Mensch handelt im Kontext seiner Umwelt. Wenn ein Konflikt sich festgefahren hat, lohnt es sich deshalb, auch das System zu betrachten, in dem er entstanden ist.
Wenn es einen Konflikt gibt, versuchen die Beteiligten in der Regel, die Sache unter sich zu klären. Man will das Thema nicht größer machen, als es ist und die anderen nicht mit reinziehen – so oder ähnlich ist meist die Motivation dahinter. Aber erst wenn alle Personen, die zur Klärung des Konflikts beitragen können, zusammenkommen und gehört werden, kann Klarheit entstehen. Nur so werden Konflikte und ihre Ursprünge für alle sichtbar. Die Gemeinschaft übernimmt Verantwortung für Veränderungen. In der Teamklärung lernen und wachsen wir gemeinsam, auch wenn wir nicht unmittelbar in den Konflikt involviert sind. Das System wird so gestärkt und die Zusammenarbeit verbessert. Mit der Zeit lernt das Team, Konflikte rechtzeitig zu klären und sich selbst zu heilen – es entwickelt sich zu einem restorativen System.
Eine Klärung zwischen nur zwei Personen ist im Vergleich zur Teamklärung hingegen nur in seltenen Fällen hilfreich. Nämlich dann, wenn der Konflikt isoliert ist, wenn also keine weiteren Personen beteiligt sind. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn zwei hierarchisch hoch angesiedelte Personen – etwa zwei Firmeneigentümerinnen oder gleichberechtigte Partner – auf ihrer Ebene allein miteinander arbeiten müssen. Eine andere Voraussetzung für eine Klärung zwischen zwei Personen kann auch dann angebracht sein, wenn beide sowohl beruflich als auch privat sehr eng verknüpft sind. Natürlich, auch hier gibt es Systeme, in denen die Beteiligten handeln. Allerdings droht eine Vermischung der Ebenen, wenn ein beruflicher Konflikt im Beisein von zum Beispiel Familienangehörigen gelöst werden soll. In diesem Fall kann es sinnvoller sein, die beiden Konfliktparteien isoliert von ihrer Umwelt bei der Klärung zu begleiten.
Abgesehen von diesen Einzelfällen ist eine Teamklärung die sinnvollste Methode, um Konflikte und Probleme in beruflichen Kontexten anzugehen. Durch das gemeinsame Arbeiten lernt das Team kollektiv. Die Individuen treten in Beziehung zueinander, verändern Perspektiven und erlangen Vertrauen in die Gemeinschaftes. Dadurch entsteht eine tiefere Beziehung zwischen Einzelnen – unabhängig davon, ob sie direkt in den Konflikt involviert sind oder nicht. Dies ermöglicht nicht nur die Lösung aktueller Konflikte, sondern trägt auch dazu bei, zukünftige zu vermeiden.
Für ganz Eilige:
- Konflikte sind systemisch, nicht privat.
Ein Konflikt entsteht und wirkt immer im Kontext eines Teams oder Systems – deshalb reicht eine Klärung zwischen zwei Personen meist nicht aus. - Teamklärung schafft Klarheit und Verantwortung.
Erst wenn alle relevanten Stimmen gehört werden, werden Ursachen sichtbar und das Team übernimmt gemeinsam Verantwortung für Veränderung. - Gemeinsame Klärung stärkt die Zukunftsfähigkeit des Teams.
Teamklärungen fördern Vertrauen, Perspektivwechsel und Lernprozesse – das Team wird langfristig konfliktfähiger und „selbstheilend“.
Fazit:
Konflikte lassen sich nachhaltig nur dann lösen, wenn sie als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden werden. Teamklärung macht sichtbar, was sonst verdeckt bleibt, stärkt Beziehungen und entwickelt das Team zu einem System, das Konflikte nicht vermeidet, sondern konstruktiv nutzt.